Hexenprozesse – Die Dunkle Seite Nördlingens

Nördlingen ist auf den ersten Blick eine unscheinbare kleine Stadt in Bayern. Doch wenn man mal ihre Geschichte anschaut merkt man schnell das es hier nicht immer so friedlich war. Zwischen 1589 und 1598 fanden in Nördlingen etliche Hexenprozesse statt. Bei diesen Prozessen wurden 34 Frauen und ein Mann verbrannt. Der erste Prozess fand 1478 statt, dieser war zugleich der erste im ganzen Südostdeutschen Raum.

Der Anfang

1478 wurde die erste Frau, eine Hebamme, der Hexerei beschuldigt. Sie wurde von zwei ‚Hexen‘ aus Schlettstadt, Frankreich angegeben. Die Hebamme konnte jedoch das Gericht von ihrer Unschuld überzeugen und wurde freigelassen. Drei weitere Frauen wurden 1534 angeklagt, verhört und gefoltert. Die angeklagte Bildschnitzerin kam frei, die anderen beiden wurden der Stadt verwiesen.

ersten Prozesse 1589/1590

Die erste Prozesswelle setzte 1589 ein. Die Geständnisse der angeblichen Hexen wurden nun immer häufiger erfoltert. Die ersten drei Opfer, Ursula Haider, Margaretha Getzler und Maria Marb, wurden im Mai 1590 auf dem Hexenfelsen verbrannt. Alle drei kamen aus ärmlichen Verhältnissen. Die nächsten drei Frauen, die im Juli desselben Jahres verbrannt wurden, waren angesehener und wohlhabender. Dies waren Maria Schöppelin, Anna Koch und Apollonia Aißlinger. Sie gaben außerdem die Namen von fünf weiteren Frauen an. Barbara Wörlin, Margaretha Frickhinger, Rebekka Lemp, Margaretha Humel und Anna Seng wurden im September hingerichtet. Margaretha Betsch, Barbara Stecher und Apolonia Rorendorfer kamen im selben Monat in Haft und wurden verhört und gefoltert. Bis auf die zuletzt Genannte wurden die Frauen im Januar 1591 verbrannt.

1590/1591/1592

Sechs weitere Frauen aus der Umgebung  hatte man 1590 verhaftet, jedoch wurden fünf davon wieder freigelassen. Zwischen 1591 und 1592 kam es zu weiteren Todesurteilen.

1593

Im August 1593 wurden sechs weitere Personen verbrannt, darunter auch der einzige Mann Jörg Kirschnauer. Zusammen mit ihm wurden seine Frau Barbara, Apollonia Vogelgsang, Barbara Götz, Anna Glauning und Anna Nussert geopfert. Drei Monate später wurden Anna Faul, Eva Aufschlager, Margaretha Saugenfinger und Corbinia Leher zur Hinrichtung verurteilt. Kurz darauf wurden drei weitere Frauen inhaftiert. Dies waren Dorothea Gundelfinger, Margaretha Stahel und Maria Holl.

1598

1598 wurden Veronika Fritsch und Jörg Minderlin verurteilt. Minderlin erhängte sich jedoch bevor er verbrannt werden konnte. Seine Frau Margaretha wurde im selben Jahr zum Tode verurteilt. Die Überreste der angeblichen Hexen wurden in den Katakomben des jetzigen Wasserreservoirs gelagert.

Maria Holl

Maria Holl, geboren 1549 in Altenstadt, war wohl die berühmteste ‚Hexe‘. Sie war die Gastwirtin der goldenen Krone. Das Gebäude in der die Wirtschaft war steht noch heute. Davor steht der Maria Holl Brunnen, dieser soll einen Scheiterhaufen darstellen. Es ist ein Andenken an die schlimme Zeit Nördlingens. Maria wurde der Hexerei beschuldigt und wurde am 02. November 1593 verhaftet. Sie wurde in das Klösterle, das damalige Stadtgefängnis, gebracht und überlebte dort 62 Folterungen. Das Klösterle dient heute als Hotel und Restaurant. Maria gestand einige Male in der Hoffnung, dass die Folterungen aufhörten, wiederrief diese jedoch wieder. Ihr Ehemann Michael Holl und ihre Geschwister wandten sich an den Ulmer Rat, mit der Bitte, Maria zu helfen. Erst am 14. Oktober 1594 wurde sie freigelassen. Ihr Leben war weiterhin von psychischen Störungen und körperlichen Behinderungen geprägt. Am 22. September 1634 starb sie im Alter von 85 Jahren.

Der Hexenfelsen

Der Hexenfelsen ist ein Felsen in dem angelegten Wald ‚Marienhöhe‘. Dieser Wald grenzt direkt an Nördlingen. Der Hexenfelsen wurde als Opferstätte genommen, weil man ihn vom Daniel aus gut im Blick hat. Der Daniel ist ein 90 Meter großer Turm mit einer Kirche, in der Mitte von Nördlingen. Wenn man alle 350 Stufen hinauf steigt kommt man auf eine Aussichtsplattform. Von dort aus haben die angesehenen Leute die Verbrennungen im Wald beobachtet.

Ein Kommentar

  1. Sehr schön geschrieben und erklärt.
    Zu Maria Holl gibt es auch ein Buch: Die Hexe von Nördlingen.
    Mach weiter so, deine Geschichten sind wirklich super.

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